Hunger auf Kunst & Kultur

Die Idee stammt aus Österreich, wo im Dezember 2003 die Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" durch das Schauspielhaus Wien und die österreichischen Armutskonferenz ins Leben gerufen wurde, weil nach Ansicht der Initiatoren jeder Mensch ein Recht auf Zugang zu Kunst und Kultur hat. Deshalb soll allen, die gerne am kulturellen Leben teilnehmen möchten, es sich aber nicht leisten können, die Möglichkeit dazu gegeben werden.
Dies geschieht mit Hilfe eines "Kulturpasses", der den Inhaber berechtigt, kostenlos ins Kino oder ins Theater zu gehen, Museen und Ausstellungen zu besuchen oder die Bibliothek zu nutzen. In Wien gibt es inzwischen über 90 "Kulturpartner", die einen kostenfreien Zugang gewähren und 15.000 Menschen, die einen Kulturpass besitzen. Weitere vier Bundesländer haben sich diesem Projekt angeschlossen. In Deutschland ist bis jetzt keine Stadt bekannt, die ähnlich breites Angebot macht, obwohl vielerorts Möglichkeiten erprobt werden, um den Zugang zur Kultur zumindest zu erleichtern.
Im MobB e.V. wurde auf Initiative von Helmut Lange ( 31.03.2014) im Jahr 2006 das Projekt "Kultur-Tauschring" begonnen. Ziel war es, ehrenamtliche Tätigkeit in Kultureinrichtungen gegen Eintrittskarten zu tauschen. Dieses Projekt konnte nur in Ansätzen - mit der Filmarena und der Kantorei St. Michael - umgesetzt werden.
Im Sommer 2008 schlossen sich der Film e.V., die Kantorei und das Theaterhaus mit dem MobB e.V. zusammen, um finanziell benachteiligten Menschen den freien Zutritt zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Im darauffolgenden Jahr kam die Stadt Jena hinzu.
So gibt der MobB jetzt nach Wiener Vorbild (und Nutzung des Logos) einen Kulturpass heraus. Dieser berechtigt zum freien Eintritt in verschiedene Jenaer Kultureinrichtungen. Voraussetzungen sind freie Plätze, einen Rechtsanspruch gibt es nicht.
Jena war die erste Stadt in Deutschland, in der ein solches Angebot realisiert wurde. Inzwischen gibt es in verschiedenen Orten den kostenlosen Zugang zu Kultureinrichtungen.
 
Zur Erinnerung

Helmut LangeViele kannten Helmut Lange, rauchend vor dem Büro des MObB e.V. stehend - fast schon ein Jenaer Original. Er war aber mehr mit der Stadt verbunden.
Geboren 1950 im hessischen Dillkreis, lernt er Werkzeugmacher in Kassel und wird über den zweiten Bildungsweg Sozialpädagoge. Mit dieser Ausbildung baut er in Kassel-Nord das Sozio-Kulturelle Zentrum "Schlachthof" auf. Gemeinsam mit dem langjährigem Freund Norbert Reif gehen er 1990 nach Jena. Helmut Lange kümmert sich um Theaterhaus, das Kassablanca, ist kurzzeitig technischer Direktor des Stadtmuseums und hilft die Kulturarena für Künstler und Besucher erlebbar zu machen. 1993 geht er nach Dresden, um dort als kaufmännischer Leiter das Brettl im Theaterkahn zu etablieren.
1999 verpflichtet ihn Norbert Reif als Produktionsleiter der Kulturarena. Es wird die bis dahin erfolgreichste Arena. Die nächsten Projekte sind in Planung. Der Strudel um die Entlassung Reifs und dessen Tod reißt Lange aber den Boden unter den Füßen weg. Nach schwierigen Jahren taucht er 2006 im MobB e.V. auf, um seine Idee eines Kultur-Tauschrings vorzustellen: Ehrenamtliche Tätigkeit gegen kostenloser Eintritt in Kultureinrichtungen. Endlich kann er wieder mit Menschen arbeiten, ist eine Stütze für viele und hilft, den Verein und viele Projekte zu managen. Der Kulturpass ist nur eines davon. Aber die ständigen Interimslösungen der verschiedenen Beschäftigungen (ABM, 16 E, Entgeltvariante und letztendlich Bundesfreiwilliger) nagen an seinem Selbstvertrauen. Er kann zwar vielen Menschen helfen, nur bei Hilfe für sich selbst bleibt er hilflos. Ende März verlässt ihn der Lebenswille.
Ratlos lässt er uns zurück. Wer hat im Umgang mit ihm versagt: Bekannte, Verwandte, die Gesellschaft, er selbst? Es bleibt eine Jenaer Persönlichkeit, keine Hauptfigur - eine Herzensfigur.

Kristian Philler, im April 2014
zurück